Aktuelles und Infosäule


9. November 2022 

Stille Helfer in der Hufeisensiedlung - es waren wenige, aber es gab sie!

Am Abend des 9. November 2022 kamen mehr als 50 Anwohnerinnen und Anwohner in der Parchimer Allee zusammen, um an den 84. Jahrestag des antisemitischen Nazi-Pogroms zu erinnern. Auch in der Hufeisensiedlung wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. September 1938 Scheiben jüdischer Geschäfte eingeworfen und an und vor den Häusern jüdischer Bewohnerinnen und Bewohner Parolen und Nazi-Symbole geschmiert. Ein Foto zeigt die Besrucherinnen und Besucher der Veranstaltung Diese antisemitischen Exzesse leiteten die Vertreibung und Ermordung von mehr als sechs Millionen europäische Juden in den folgenden Jahren ein. Niemals darf dieses Verbrechen vergessen werden.

In dem abendlichen Gedenken standen drei Familien im Vordergrund, die in keinem Geschichtsbuch verzeichnet sind und die auch manchem der Anwesenden unbekannt waren. An sie erinnerten Mitglieder von Hufeisern gegen Rechts mit kurzen Berichten und wiesen mit kleinen Schildern und auf den Bürgersteig mit Sprühkreide aufgetragenen Hinweisen auf deren Wohnorte hin. Sie wohnten in den Häusern Parchimer Allee 75, 85k und 91. Hier haben sie in der Zeit des Holocaust Jüdinnen vor ihren faschistischen Verfolgern versteckt und sie zusammen mit Freundinnen und Freunden versorgt. Ein Foto zeigt die niedergelgten Texte und Blumen In der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte haben Paul und Erika Seele, Rudolf und Anna Thal sowie Clemens und Ilse Seifert gemeinsam mit einigen Bekannten völlig unabhängig voneinander kleine Helfergruppen gebildet, die das Überleben von drei jüdischen Frauen ermöglicht hat.

Sie alle haben Menschlichkeit in einem unmenschlichen System gezeigt und zwar unter Inkaufnahme persönlicher Nachteile. Persönliche Nachteile klingt so harmlos. In Wirklichkeit war ihre Entscheidung, bedrohten Nachbarinnen und Nachbarn zu helfen, verbunden mit der Gefahr von Verhaftung und langjähriger Haft, mit der Schikanierung ihrer Kinder und Verwandten. All dieses hat sie aber nicht von ihrer Solidarität mit den Diskriminierten und Verfolgten abgehalten.

Der Spruch mit Sprühkreide: Stille Helfer mutig aufrecht unvergessen Rückblickend müssen wir sagen: „Es waren zu wenige, viel zu wenige, die in der Zeit, in der die Feinde des Lebens an der Macht waren, gegen diese aufgestanden sind.” Aber gerade sie verkörpern heutzutage mit ihrer Entschlossenheit in jener Zeit, in der die extremste Form einer undemokratischen, ja terroristischen Herrschaft in Deutschland existierte, das Vorbild für den Kern demokratischen Handelns, das Eintreten für eine demokratisch gesinnte Gesellschaft, in der das soziale und politische Miteinander auf Gleichberechtigung und gesicherter Achtung vor dem Anderen beruht.

An diesen mutigen Menschen, diesen stillen Helfern sollten wir uns orientieren, wenn es heutzutage darum geht, nicht zu schweigen oder wegzuschauen. Anlässe gibt es genug, wie die Angriffe auf unsere jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn in den letzten 12 Monaten sowie die antisemitischen und völkischen Aufkleber und Schmierereien in unserer Siedlung zeigen.

Umrahmt wurde das einstündige Gedenken mit zwei jiddischen Liedern, die zur nachdenklichen Stimmung dieses Abends beitrugen.

Lesen Sie hier den Redebeitrag zu Paul Seele
Lesen Sie hier den Redebeitrag zu Anna und Rudolf Thal
Lesen Sie hier den Redebeitrag zu Clemens und Ilse Seifert

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8. November 2022 

Niemand war überraschter als wir

Am 8. November 2022 wurde unsere Initiative Hufeisern gegen Rechts für ihren langjährigen Einsatz gegen rechte Umtriebe in unserer Siedlung, mit dem „Preis für Applaus beim Dinner Zivilcourage gegen Antisemitismus, Rechtsradikalismus und Rassismus” des Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.” und der „Jüdischen Gemeinde zu Berlin” ausgezeichnet. Die Begründung weist vor allem auf unser lokales Auftreten gegen Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus sowie für die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger hin.
Lea Rosh und Gideon Joffe mit Bärbel Bas in der Mitte In feierlichem Rahmen wurde uns der mit einer großzügigen Spende verbundene Preis von Frau Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises, Frau Maria Blömer, Vorstandsmitglied des Förderkreises, sowie Herrn Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, überreicht.
Hufeisern gegen Rechts freut sich über die Anerkennung unseres Engagements.
Wir sehen in diesem Preis aber auch eine Würdigung der Menschen aus der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung, die unsere Aktivitäten mitgetragen und uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. Ohne ihren Beitrag wäre unsere Arbeit weitgehend wirkungslos geblieben.
Der Vorstand des Förderkreises Denkmal e.V. mit Außenministerin Annalena Baerbock Nur gemeinsam können wir den öffentlichen Raum gegen völkisch ausgerichtete Propaganda und Gewalt verteidigen und mit sozialer und demokratischer Kultur füllen. Pflegen wir weiterhin ein offenes und kritisches Miteinander, das unterschiedliche Wege nicht ausschließt, wenn es um das gemeinsame Ziel geht: die Wahrung von Menschenrechten und Menschenwürde. Sie sind und bleiben unteilbar!
In der Fortführung dieses Weges sehen wir den wahren Sinn dieser Auszeichnung und hoffen, dass wir ihrem Inhalt auch in Zukunft gerecht werden.
Hufeisern gegen Rechts sagt allen, die zu dieser Preisverleihung beigetragen haben: „Danke!”

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28. Oktober 2022 

Erneut Neonazi-Propaganda in Briefkästen von Bewohnerinnen und Bewohnern der Hufeisensiedlung

In der Nacht zum 28. Oktober wurden in Mietshäusern in und im Umfeld der Parchimer Allee von Mitgliedern der Neonazi-Gruppe „Der III. Weg” Flugblätter in die Briefkästen geworfen.
Wie üblich greifen die Neonazis einen aktuellen sozialen Konflikt auf, für den sie rassistisch aufgeladene „Lösungen” vorschlagen.
Diesmal geht es um die Verdrängung von Mietern aus ihren angestammten Wohnbezirken aufgrund steigender Mietkosten - ein reales Problem, gegen das sich vor einigen Jahren demokratische Mieterinitiativen gegründet haben. Vor einem Jahr haben diese Initiativen mit mehr als 1 Million Stimmen einen Volksentscheid in Berlin durchgesetzt, mit dem die Vergesellschaftung von privaten Immobiliengesellschaften (ausgenommen sind Genossenschaften) mit mehr als 3000 Wohnung per Gesetz erreicht werden soll.
Mit ihrem Flugblatt „Volksentscheid umsetzen - Deutsche Wohnen endlich enteignen!” will sich die Nazi-Gruppe an die Kampagne anhängen und als deren Verfechter erscheinen.
Doch worin sieht die Nazi-Gruppe die Ursachen und welche „Lösungen” bietet sie an? Karikatur: Neuer rechter Think Tank. Dort blubbert der braune Sumpf
Getreu dem Nazi-Grundsatz, die Auseinandersetzung verlaufe nicht zwischen Mietern und marktbeherrschenden Wohnungsgesellschaften, sondern zwischen Volksdeutschen und Fremden, werden internationale Gesellschaften in den Händen ausländischer „raffgieriger Immobilienhaie” für Mietsteigerungen und Verdrängung verantwortlich gemacht.
Deshalb besteht der erste Teil der „Lösung” in der Enteignung der internationalen Immobiliengesellschaften sowie dem „Verbot internationaler Konzerne Wohnraum in Deutschland zu kaufen”. Wieder einmal unterstellen die Nazis eine fremdländische Verschwörung, die das deutsche Volk ausplündere und dabei die willfährige Unterstützung bei den Politikern aller Parteien finde.
Wir fragen an dieser Stelle: Worin besteht die Andersartigkeit zwischen einem internationalen und einem nationalen Immobilienkonzern?
Die Statistik hinsichtlich des Umgangs mit den Mietern in Bezug auf Instandhaltung, Service und Miethöhe zeigt hier keine Unterschiede. Für die Mieter ist es gleichgültig, ob die großen Wohnungskonzerne national oder international organisiert sind. Die unsozialen Praktiken sind dieselben. Wieder einmal wird ein sozialer Konflikt nationalistisch und rassistisch aufgeladen.
Auch das zweite Instrument, das die Lage auf dem Wohnungsmarkt zugunsten der Mieter verändern soll, ist vom völkischen Rassismus geprägt: Die Entspannung auf dem Wohnungsmarkt soll mittels Ausweisung von Millionen Menschen mit migrantischem Hintergrund erfolgen. Durch die zügellose „Einwanderungspolitik der Herrschenden” dürften diese Millionen sich „in die soziale Hängematte legen.”
Das von einer Ausweisung dieser Menschen in Neukölln mehr als 1/3 der Einwohnerschaft betroffen wäre und damit Handwerk, Industrie, aber auch die gesamte Infrastruktur betroffen wäre, wird verschwiegen. Vielmehr sollen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft gegeneinander ausgespielt werden, die sich alle in einer gemeinsamen sozialen Lage befinden und dem Verdrängungseffekt auf dem Wohnungsmarkt ausgesetzt sind.
Das passt zum Parteiprogramm. Foto einer Demonstration gegen rechte Hetze Ideologisch gehört der „III. Weg” zum Radikalsten, was die rechtsextreme Szene in Deutschland derzeit zu bieten hat. Angestrebt wird ein „deutscher Sozialismus”, samt Wiederherstellung eines „Gesamtdeutschlands”, das „größer als die BRD” sei. Die „biologische Substanz des Volkes” sei zu erhalten, Migranten „stufenweise auszuweisen”. Der Verfassungsschutz sieht Anleihen bei der NSDAP.
Der „III. Weg” macht aus seinen Umsturzplänen keinen Hehl. Es gehe nicht um die Beseitigung von Fehlern im System, der Fehler sei das System, heißt es in seinen Veröffentlichungen.
Nicht die soziale Bedrohung von Berlinerinnen und Berlinern durch einen unregulierten Wohnungsmarkt soll behoben werden, sondern die Diskriminierung eines Teils der Bevölkerung und die Diskreditierung der demokratischen Verfassung steht im Mittelpunkt der Nazi-Propaganda.
Wer die gemeinsamen Interessen der Mieterinnen und Mieter leugnet und eine ethnische Spaltung konstruiert, schwächt die Mieterbewegung und jegliche demokratischen Aktivitäten.
Deshalb gehört dieses Flugblatt in den Altpapiercontainer, um zu Klopapier verarbeitet einem nützlichen Zweck zu dienen.

Hier geht es zu einer genaueren Einschätzung der Nazi-Gruppe „Der III. Weg”.

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12. Oktober 2022 

Würdigung einer Unbeugsamen – ein Stolperstein für Frida Winckelmann

Mehr als 70 Personen waren der Einladung von Hufeisern gegen Rechts gefolgt, um der sozialistischen Reformpädagogin und Widerstandskämpferin zu gedenken und sie zu ehren. Schon das Eingangslied, vorgetragen von der Akkordeonistin Isabel Neuenfeldt wies auf den langen politischen Weg hin, den Frida Winkelmann konsequent und allen Widerständen zum Trotz beschritten hat: Foto des gerade verlegten Stolpersteins „Auf Sozialisten schließt die Reihen”, so heißt die erste Zeile des seit dem Erfurter Parteitag der SPD 1891 zum klassischen Lied der deutschen Sozialdemokratie erhobenen „Sozialistenmarsch”. Die Reihen zu schließen und sie auszuweiten, dies war der zentrale Leitfaden im Denken und Handeln von Frida der, in denen sie diesen Leitsatz zu verwirklichen suchte, konzentrierte sich der Redebeitrag von Hufeisern gegen Rechts. Zum einen ging es um die Schul- und Bildungspolitik, wo sie die Brechung des bürgerlichen Bildungsmonopols und die Förderung von Arbeiterkindern mittels des Kampfes um eine einheitliche Schule für alle Kinder zu ihrem Ziel erhob. Foto der Besucher der Stolpersteinverlegung Zum anderen war Frida Winckelmann überzeugt, dass der Kampf um eine sozialistische Gesellschaft den Kampf gegen Krieg und Unterdrückung einschloss. So stand sie ab 1914 auf der Seite der Kriegsgegner und trat 1917 zur USPD über. Die Erfahrungen aus der Revolution führten sie zu der Erkenntnis, dass der Kampf um eine soziale und gerechte Gesellschaft nur auf der Grundlage eines einheitlichen Handelns der Arbeiterorganisationen geführt werden könne. Später, nachdem sie für die KPD im Thüringer Landtag saß, grenzte sie sich scharf von der Linie ihrer Partei ab, die den gemeinsamen Kampf mit der SPD um Reformen durch den Kampf gegen die Sozialdemokratie ersetzt hatte, mit der Folge ihres Ausschlusses. Isabel Neuenfeldt spielt ein Lied Als die Gefahr des Faschismus immer offensichtlicher wurde, engagierte sie sich vor allem in der kleinen Sozialistischen Arbeiterpartei, die die antifaschistische Einheitsfront zu ihrem zentralen Programmpunkt erhoben hatte. Auch nach der Machteroberung der Nationalsozialisten versuchte sie dem Gedanken Rechnung zu tragen, den Widerstand ohne parteiliche Schranken zu organisieren. Selbst nach ihrer Inhaftierung im Frauen-KZ Moringen verfolgte sie diesen Weg weiter und organisierte unter ihren Mithäftlingen Bildungs- und Diskussionszirkel. Nach ihrer Haftentlassung kam sie in Britz bei einer ehemaligen Schülerin unter. Als diese nach England emigrierte, zog Frida Winckelmann in ihren letzten Wohnort um, in die Malchiner Str. 47. Hier erinnert seit dem 12. Oktober 2022 der Stolperstein an die Frau, deren Leben vom unermüdlichen Einsatz für soziale Rechte und gegen Willkür und Unterdrückung bestimmt war - ein Vorbild in der heutigen Zeit.

Auf diesen Aspekt wies auch Robert Giese, Schulleiter der Fritz-Karsen-Schule, hin. der Leiter der Fritz-Karsen-Schule Robert Giese hält eine Rede Auch heute findet die Auseinandersetzung um eine einheitliche Schule für alle in der deutschen Bildungspolitik ihre Fortsetzung. Die Unterstützung der Gemeinschaftsschule ist auch in Berlin keine Selbstverständlichkeit. Die Förderung von bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen muss immer wieder neu erkämpft werden - gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen das finanzpolitische Argument immer wieder zu Angriffen von konservativen und neoliberalen Kräften auf eine Bildungspraxis genutzt wird, die sich die Brechung von Bildungsschranken zum Ziel gesetzt hat. Frida Winckelmann, 1943 in Britz verstorben, ist noch heute mit ihren Ideen in den alltäglichen politischen Auseinandersetzungen lebendig.

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24. September 2022 

Erinnerung an die Kriegsgegner und Antifaschisten Erich Mühsam und Leon Hirsch in der Hufeisensiedlung: Ihre pazifistische Haltung ist mehr als zeitgemäß!

Am Samstagnachmittag, dem 24. September, musste die Dörchläuchtingstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Stolperstein von Leon Hirsch mit Foto Viele Personen aus der Hufeisensiedlung und Freunde des anarchistischen Dichters Erich Mühsam waren zu seiner diesjährigen Ehrung gekommen, zu der Hufeisern gegen Rechts an seinem Gedenkstein neben seiner ehemaligen Wohnung aufgerufen hatte. Hier war Erich Mühsam in den frühen Morgenstunden des 28. Februars 1933 von zwei preußischen Polizeibeamten in Begleitung von mehreren SA-Männern verhaftet und anschließend durch mehrere Gefängnisse und Konzentrationslager geschleppt worden ist. 14 Monate später wurde er von SS-Männer im KZ Oranienburg ermordet. „Das rote Judenaas muss weg!” hatte der Berliner Gauleiter Goebbels schon 1931 den Berliner Nazis zugerufen. Spätestens nach Mühsams Beteiligung an der Münchener Räterepublik war er zum Erzfeind der deutschen Faschisten geworden, war er doch während der gesamten Weimarer Republik ein ständiger Mahner vor der faschistischen Gefahr und hatte kaum eine Gelegenheit versäumt, den rassistischen Terror der NSDAP und ihrer Anhänger öffentlich anzuklagen. Lienhard Böhning, Vorsitzender der Erich-Mühsam-Gesellschaft (Foto: Hufeisern gegen Rechts) Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern befand sich auch Lienhard Böhning, Vorsitzender der Erich-Mühsam-Gesellschaft, der in seiner Rede nicht nur die Aktualität von Mühsams Antifaschismus, sondern auch seine pazifistische Haltung betonte, die gerade angesichts des Krieges der russischen Machthaber gegen die Ukraine, aber auch der milliardenschweren Aufrüstung der Bundeswehr einen neuen Stellenwert gewinnt. Böhning wies auf die innere Zerrissenheit von Mühsam zu Beginn des 1. Weltkrieges hin. Hatte der entschiedene Kriegsgegner doch zunächst den deutschen Waffengang mit der Gefahr der „russischen Barbaren” gerechtfertigt und sich der Burgfriedenspolitik angeschlossen. Doch kurze Zeit später wandte er sich wieder seiner alten Position zu und bemühte sich, eine Friedensfront aus Anarchisten, Sozialisten und bürgerlichen Kräften zu schaffen, um die Grauen des Krieges zu beenden. Isabel Neuenfeldt (Foto: Hufeisern gegen Rechts) Ohne die historischen Unterschiede zu vernachlässigen, zog Böhning Parallelen zur heutigen Propaganda, mit der für die militärische Unterstützung der Ukraine durch die Bundesrepublik Stimmung erzeugt wird. Wieder taucht das Gespenst des russischen Barbaren auf, die Unkultur als ein Charakterzug der russischen Bevölkerung. Die Anerkennung des Rechts auf Selbstverteidigung der staatlichen Souveränität der Ukraine dürfe nicht als Rechtfertigung zur Verurteilung von pazifistischen Lösungen dienen, wie sie von Vertreterinnen und Vertretern der Regierungsparteien mit massivem Aufwand betrieben werde. Mühsams Haltung zum Krieg stelle ein Beispiel dar, wie seine der Humanität und der Beendigung des militärischen Waffengangs verpflichtenden Haltung zur Leitlinie von Politik erkämpft werden könne.
Anschließend wurde in der Nachbarstraße vor dem Haus Paster-Behrens-Straße 16 ein Stolperstein für Mühsams Freund und politischen Weggefährten Leon Hirsch, dem Verleger und Leiter des politischen Kabaretts „Die Wespen”, verlegt. Frank-Burkhard Habel, Vorsitzwender der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft (Foto: Hufeisern gege Rechts) Auch er wurde wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner antifaschistischen Haltung von den Nazis zum Staatsfeind erklärt. Im Gegensatz zu Erich Mühsam gelang ihm jedoch die Flucht ins Schweizer Exil. Burkhard Habel, Vorsitzender der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft würdigte in seinem Beitrag „den kleinen Mann mit der großen Brille” als einen Kosmopoliten, der sein ganzes Leben immer dort gestanden hat, wo die Armen und Unterdrückten, die Einfachen und Zukurzgekommenen standen. Mit den Worten von Kurt Tucholsky wies auch er auf die Bedeutung des Pazifismus in der heutigen Zeit hin, der endlich aus der Rolle der Diffamierung heraus in den öffentlichen Diskurs als zivilisatorisches Gedankengut einer demokratischen und humanistischen Gesellschaft Eingang finden muss.
Begleitet wurde die Veranstaltung von Isabel Neuenfeldt, die zwischen den Redebeiträgen mit Liedern von Erich Mühsam, Else Lasker-Schüler, Kurt Tucholsky und Erich Weinert dem Gedenken einen würdigen und nachdenklichen Rahmen gestaltete.

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18. September 2022 

Solidarität mit den Kriegsopfern in der Ukraine

Auf dem Flohmarkt am Hufeisen haben wir Medikamente und orthopädische Hilfsmittel für die vom Krieg betroffenen Menschen in der Ukraine gesammelt. Foto der Sammelstelle für die Spenden Wie bei der ersten Sammelaktion im März dieses Jahres wurden auch bei dieser zweiten Sammlung zahlreiche Spenden von den Bewohnerinnen und Bewohnern der Siedlung übergeben, so dass wir mit einem vollgepackten Bus zur Ukraine-Hilfe Berlin e.V. fahren konnten.

Wir bedanken uns bei allen Spenderinnen und Spendern für dieses eindrucksvolle Zeichen der Solidarität.

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07. September 2022 

Pressemitteilung der Anwohner*inneninitiatve „Hufeisern gegen Rechts” vom 7. September 2022

Neonazistische Drohung in der Hufeisensiedlung - Info-Säule der Initiative „Hufeisern gegen Rechts” mit Parole und NS-Kennzeichen besudelt!

Am Wochenende entdeckte eine Bewohnerin an der Infosäule der Anwohner*inneninitiative „Hufeisern gegen Rechts” in der Hufeisensiedlung eine großflächig angeschmierte Nazi-Drohung. Unter einem ca. 30cm x 30 cm großen Hakenkreuz war ein Din A 1-großes Info-Plakat zur Geschichte der Hufeisensiedlung mit der Parole „Wir sind überall” und den Kennzeichen von SS und SA in Runenschrift besudelt worden. Foto der beschmierten Info-Säule Nachdem die Polizei die Kennzeichen und die Parole übersprüht hatte, haben mittlerweile Mitglieder von Hufeisern gegen Rechts das Plakat wieder gereinigt.
Die Initiative musste in den vergangenen Wochen wieder häufiger Hakenkreuze, Keltenkreuze und andere Nazi-Symbole von Mülleimern, Postverteilerkästen usw. in und im Umfeld der Hufeisensiedlung beseitigt. Die aktuelle Schmiererei auf der Info-Säule ist seit drei Jahren die erste offen ausgesprochene, mit einem Text formulierte Drohung, die offenbar andeuten soll, dass demokratisches Engagement von Rechtsextremisten beobachtet wird.
In diesen Zusammenhang passt auch das Auftreten von Mitgliedern der neonazistischen Gruppierung „Der III. Weg”, die bereits zweimal in diesem Jahr flächendeckend in der Hufeisensiedlung mit Flugblattaktionen in Erscheinung getreten sind. Dass es nicht nur bei Drohungen bleibt, hat der Anschlag auf eine jüdische Familie gezeigt, die in den vergangenen Monaten mehrere Male mit Hakenkreuzkennzeichnung am Haus, Reizgas und sowie einem Brandanschlag attackiert worden ist.
In allen Fällen hat die Polizei Anzeigen aufgenommen, aber die Erfahrung lässt wenig Hoffnung zu, dass die Täter gefasst werden.
Möglicherweise steht der jüngste Anschlag im Zusammenhang mit dem zzt. laufenden Prozess gegen zwei Hauptverdächtige der rechten Neuköllner Anschlagsserie - die Hufeisensiedlung war ein Schwerpunkt der entsprechenden Nazi-Aktivitäten.
Auffällig ist auch, dass der Anschlag zeitlich mit der Ankündigung des jährlichen Gedenkens an den Antifaschisten Erich Mühsam korrespondiert, der von 1927 bis zu seiner Verhaftung 1933 in der Hufeisensiedlung gelebt hat und 1934 von der SS im KZ Oranienburg ermordet worden ist. Bereits 2012 wurde seine von der Initiative gepflegte Gedenkstätte von Neonazis geschändet und musste aufwendig wiederhergestellt werden.
Die Mitglieder der Initiative haben sich in der Vergangenheit nicht von den rechten Drohungen abhalten lassen, gegen Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus sowie für ein soziales und demokratisches Miteinander in der Siedlung einzutreten, und das werden wir auch weiterhin gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern fortsetzen.

Mit freundlichen Grüßen
die Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts

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8. September 2022 

„Krieg, Lüge, Hunger, Gestapo” – gegen „das Naziparadies”: Stolpersteinverlegung für den Antifaschisten Friedrich Rehmer

Mehr als 50 Personen waren der Einladung unserer Initiative gefolgt, um am Vormittag des 8. September 2022 vor dem Haus Harzer Straße 33 den Antifaschisten Friedrich Rehmer zu ehren und die Stolpersteinverlegung für ihn zu einem würdigen Gedenken zu machen. Einen großen Anteil an der eindrucksvollen Atmosphäre hatte die Gruppe „Querbeet” mit ihren sorgfältig ausgewählten, dem nachdenklichen Anlass angemessenen musikalischen Beiträgen. Foto der Ansprache für die Verlegung des Stolpersteins für Friedrich Rehmer Der Neuköllner Friedrich Rehmer gehörte dem Widerstandszirkel um den Psychoanalytiker John Rittmeister an. Der Kreis bestand aus mehrheitlich jungen Frauen und Männer, die aus unterschiedlichen Gründen gegen die Nazi-Herrschaft aktiv geworden waren. Sie hörten ausländische Sender, diskutierten antifaschistische Schriften und riefen mit Flugblättern zum Sturz der Nazi-Herrschaft auf. Rehmer, der als Soldat Kriegsverbrechen der Wehrmacht an der sowjetischen Bevölkerung erlebt hatte und mit einer schweren Kriegsverletzung im Reservelazarett in Berlin-Britz lag, nahm mit anderen Mitgliedern des Rittmeister-Kreises an der Klebezettel-Aktion gegen die antibolschewistische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies” am 18. Mai 1942 teil. Der Kontakt der Gruppe mit dem Widerstandskämpfer Harro Schulze-Boysen wurde den Mitgliedern des Rittmeister-Zirkels zum Verhängnis. Foto des Stolpersteins für Friedrich Rehmer Als durch einen Fehler des sowjetischen Geheimdienstes Schulze-Boysen, Arvid und Mildred Harnack sowie weitere Widerstandskämpfer des Widerstandsnetzwerkes „Rote Kapelle” von der Gestapo verhaftet wurden, wurde auch die Rittmeister-Gruppe aufgerollt. Am 18. Januar 1943 verurteilte das Reichskriegsgericht Friedrich Rehmer wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Kriegsverrat zum Tode. Im selben Prozess wurde auch seine Verlobte, die im siebten Monat schwangere Liane Berkowitz, zum Tode verurteilt. Rehmer wurde am 13. Mai 1943 in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee mit dem Fallbeil ermordet. Er wurde 21 Jahre alt. Der Besuch seiner am 12. April im Frauengefängnis Barnimstraße geborenen Tochter Irina wurde ihm verweigert. Das Kind starb am 16. Oktober 1943 im Krankenhaus Eberswalde, vermutlich aufgrund von Unterernährung und mangelnder medizinischer Versorgung. Das Urteil gegen Friedrich Rehmer wurde erst 2009 zum Unrechtsurteil erklärt und er zusammen mit allen Angehörigen des Widerstandsverbundes „Rote Kapelle” rehabilitiert.
Gerade heute, wo sich in unserem Land wieder eine Kriegsstimmung breit macht und die gesammelte Rechte die soziale und politische Krise mit völkischen Parolen zu nutzen sucht, um weiteren Einfluss zu gewinnen, bedeutet das Handeln von Friedrich Rehmer und der „Roten Kapelle” mehr als eine Erinnerung. Auch wenn den Antifaschisten der „Roten Kapelle” der Erfolg versagt blieb, so haben sie den Weg für alle Demokraten von heute gewiesen:
Nur gemeinsam über die Parteigrenzen hinweg können wir den rechten Feinden der zivilisierten Gesellschaft erfolgreich entgegentreten.

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18. Juni 2022 

Hufeisern gegen Rechts lädt ein:

Samstag, 18. Juni 2022, um 15:00 Uhr

Stolpersteinrundgang in der Hufeisensiedlung

Treffpunkt: U-Bhf. Blaschkoallee (U 7), Ausgang Stavenhagener Str.

Berliner Gedenktafel für Hanno Günther Hinter jedem Stolperstein und jeder Gedenktafel steckt ein Mensch, eine Geschichte, ein Schicksal.
14 Steine sind mittlerweile in der Hufeisensiedlung eingelassen. Sie erinnern an die Verfolgung während der nationalsozialistischen Herrschaft, aber auch an Widerstand gegen Gewalt und Unterdrückung, an den Einsatz für ein anderes, besseres Deutschland.
Stolperstein für Hans-Georg Vötter Wir wollen an diesem Tag sechs dieser ehemaligen Bewohner*innen der Siedlung gedenken, ihre Steine putzen und uns ihren Geschichten widmen.
Der etwa einstündige Rundgang findet im Rahmen der Ausstellung „Stolpersteine in Neukölln - Erinnerungskultur von unten” statt, die bis zum 30. Juni in der Galerie „Olga Benario” in der Richardstr. 104, 12043 Berlin (Nähe U-Bhf. Karl-Marx-Str.) während der Öffnungszeiten Mo, Di, Do + Fr 15:00 - 19:00 Uhr zu sehen ist.

Sie sind herzlich eingeladen.

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19. Mai 2022 

Hufeisern gegen Rechts lädt ein:

Nicht nur die lauten Stimmen hören! Gibt es tatsächlich keine Alternative zur militärischen Lösung des Ukraine-Krieges?

Seit Beginn des völkerrechtswidrigen überfalls des russischen Militärs auf die Ukraine hat der Krieg an Ausmaß und Brutalität zugenommen. Und ein Ende der Eskalation ist nicht abzusehen. Betroffen ist in erster Linie die ukrainische Zivilbevölkerung. Jeden Tag können wir die Verbrechen an Kindern, Frauen und Männern in den Medien verfolgen. Die zivile Infrastruktur wird mit Bomben und Raketen zerstört.
Weniger sichtbar sind die Auswirkungen in den wirtschaftlich schwach entwickelten Ländern der Welt, in denen der Krieg zum Zusammenbruch der Ernährungsversorgung von Millionen Menschen beiträgt und zur Destabilisierung der an sich schon fragilen politischen Verhältnisse führt.
Auch in einem wirtschaftlich entwickelten Land wie Deutschland sind die Folgen zu spüren:
Fahne mit Text: Frieden für alle und überall Die Preise für Lebensmittel und Energie steigen, Lieferketten sind unterbrochen, in ersten wirtschaftlichen Bereichen stockt die Produktion, während gleichzeitig ein schwindelerregendes Hochrüstungsprogramm im Grundgesetz verankert werden soll - verankert in ein Grundgesetz, das nicht umsonst eine Friedenspolitik als Leitlinie festgeschrieben hat. Der Grundsatz „Keine Waffenlieferungen in Krisengebiete” - sicherlich in der Vergangenheit oft verletzt - soll nun auch offiziell entfernt werden.
Die auf wirtschaftliche Zusammenarbeit und politische Diplomatie ausgerichtete deutsche Außenpolitik soll eine Kehrtwende erfahren. Ersetzt werden soll sie durch eine Politik der Stärke, die auf dem Hintergrund einer militärischen Drohkulisse basiert.
Russland, für dessen Aggression gegenüber der Ukraine es keine Rechtfertigung gibt und geben darf, soll militärisch und wirtschaftlich in die Knie gezwungen werden, ein Vorgehen, das die Möglichkeit eines Einsatzes russischer Atomwaffen nicht ausschließt.
Wir sind uns mit vielen Menschen in unserer Stadt einig: Faustrecht darf nicht über Menschen- und Völkerrecht triumphieren. Der von Russland begonnene völkerrechtswidrige Krieg muss beendet werden.
Aber ist die kriegerische Lösung tatsächlich der einzig gangbare Weg?
Gibt es keine Alternative zur Politik der Hochrüstung und der Waffenlieferungen in die vom Krieg überzogene Ukraine?

Darüber wollen wir mit Ingar Solty, Referent für Friedens- und Sicherheitspolitik bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Mitinitiator des mittlerweile von über 50 000 Personen unterzeichneten Appells „Demokratie und Sozialstaat bewahren - Keine Hochrüstung ins Grundgesetz!„ diskutieren.

Donnerstag, 19. Mai 2022, um 19:00 Uhr
Senorenfreizeitstätte „Bruno Taut”, Fritz-Reuter-Allee 50, 12359 Berlin

Wegen der beschränkten Raumgröße bitten wir um Anmeldung unter: hufeisern@posteo.de

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11. April 2022 

Vor 10 Jahren wurde Burak Bektas ermordet

Am Sonntagnachmittag, dem 10. April 2022, erinnerten 200 Menschen auf der Gedenkstätte des am 5. April 2012 an die Ermordung des 22jährigen Neuköllners Burak Bektas. In verschiedenen Redebeiträgen wurde auf den rassistischen Hintergrund der immer noch nicht aufgeklärten Mordtat hingewiesen. Versammlung zur Erinnerung an Burak Bektas Die Schilderung der Ermittlungsvorgänge machte deutlich, dass die Untersuchung der Mordtat selber zumindest in den ersten Jahren durch institutionellen Rassismus innerhalb der Ermittlungsbehörden geprägt war. Ein rassistisches Motiv wurde ausgeschlossen, Hinweise auf die politische Zuordnung des Täters zur rechten Szene nicht verfolgt und Indizien am Tatort nicht gesichert. Es ist ein Skandal, dass die Ermittlungsbehörden auch heute sich nicht zu den Fehlern bekennen und sich hinter der Aussage verstecken, es handele sich bei dem Mord um das seltene Beispiel eines „perfekten Verbrechens”.

Hier wird wieder einmal deutlich, wie notwendig der Druck zivilgesellschaftlicher Organisationen ist, um die ernsthafte Verfolgung rechter Straftaten zu erzwingen. Die Aufklärung muss weiterbetrieben werden. Gemeinsam mit den anwesenden Veranstaltungsteilnehmer*innen erwartet Hufeisern gegen Rechts die Aufklärung der Hintergründe für die mangelhaften Ermittlungen hinsichtlich des Mordes an Burak Bektas im Rahmen des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Neukölln-Komplex. Die Verantwortlichen müssen beim Namen genannt und zur Rechenschaft gezogen werden.

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19. März 2022 

19. März 2022 - Internationaler Tag gegen Rassismus

Logo des Internationalen Tags gegen Rassismus Auch in diesem Jahr demonstrieren wir an diesem Tag gegen Rassismus und Antisemitismus sowie für ein demokratisches Miteinander in Neukölln.
Gemeinsam mit der Bürgerinitiative „Rudow empört sich” und vielen weiteren Bündnissen ruft „Hufeisern gegen Rechts” zur Bildung einer Menschenkette in Alt-Rudow auf.

Treffpunkt: Alt-Rudow, Ecke Neudecker Weg,
11:00 Uhr

Nahezu jeden Tag finden rassistische Beleidigungen und Tätlichkeiten gegenüber Menschen aus anderen Kulturen in U-, S- und Straßenbahnen, in Geschäften und Gaststätten, in Verwaltungen und Betrieben, kurz: im alltäglichen Leben statt.
Auch in Britz finden wir antisemitische Schmierereien, rassistische Aufkleber und Plakate sowie tätliche Angriffe auf Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln.
Die Neuköllner Bevölkerung wird die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft, sei es der Arbeits-, der Wohnungsmarkt, die Verkehrssituation, die Bildungsschranken oder Armutsentwicklung, nur gemeinsam lösen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion.
Für ein solidarisches Neukölln, frei von Gewalt und rassistischer Ausgrenzung.

Zum Flyer der Bürgerinitiative „Rudow empört sich”

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12. März 2022 

Spendenaufruf

Samstag, 12. März 2022, 10:00 - 15:00 Uhr
Seniorenfreizeitstätte Bruno-Taut,
Fritz-Reuter-Allee 50, 12359 Berlin


Bitte unterstützen Sie die Menschen in der Ukraine, die der täglichen Gewalt und dem Krieg ausgeliefert sind.

Gesammelt werden:

  • Hygieneprodukte, z.B. Zahnbürsten und -pasta, Shampoo, Tampons etc.
  • Medikamente, z.B. Schmerzmittel, Allergiker, fiebersenkende Mittel, Augentropfen, Blutstopper (CELOX etc.), Blutverdünner, Erkältungsmittel, Medikamente gegen Magenbeschwerden, Antibiotika, Desinfektionsmittel etc. (ORIGINALVERPACKT)
  • Erste-Hilfe-Sets, Rettungsdecken, Verbandsmaterial (können abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum haben), kleine/mittlere/große Einmalhandschuhe, Spritzen (2, 5, 10, 20 ml)
  • Schnelltests

Bringen Sie bitte aus logistischen Gründen keine "großen" Sachspenden wie z.B. Kleidung, Nahrungsmittel, Schlafsäcke, Windeln o.Ä. mit.

Die gesammelten Hilfsgüter werden von uns der Organisation Ukraine-Hilfe Berlin e.V. übergeben. Im Verein arbeiten Deutsche und in Deutschland lebende Ukrainer*innen ehrenamtlich. Sie leisten für die Ukraine humanitäre und medizinische Hilfe und leiten die Sachspenden vor Ort an Kliniken und Feldhospitals weiter.

Wir bedanken uns bereits an dieser Stelle bei allen Spender*innen.

Hufeisern gegen Rechts

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26. Februar 2022 

Anwohner*innen bilden eine Menschenkette um den Hufeisenteich:

Für eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts!

Um 18:15 Uhr war die Menschenkette geschlossen. 250 Anwohner*innen der Hufeisensiedlung waren dem kurzfristigen Aufruf der SJD-Die Falken, des DGB-Neukölln und von Hufeisern gegen Rechts gefolgt, um gegen den militärischen Angriff Russlands auf die Ukraine zu demonstrieren.

die Menschenkette um den Hufeisenteich Unter der Überschrift „Die Waffen nieder!” forderten sie den Rückzug der russischen Soldaten aus dem Staatsgebiet der Ukraine und die Rückkehr an den Verhandlungstisch. Nur so könne die in Europa mühsam errungenen Rechtsnormen zwischenstaatlicher Beziehungen wiederhergestellt werden.

Nichts rechtfertige die mit der völkerrechtswidrigen Invasion verbundenen Kriegsfolgen: Panzer und Bomben bedeuten Zerstörung, Tod und Elend. In erster Linie seien Zivilisten, Frauen, Männer und Kinder, von den Auswirkungen betroffen.

Vor allem ihnen gilt unsere Solidarität.

„Menschenrecht statt Faustrecht” heißt die Botschaft aus der Hufeisensiedlung am Abend des 26. Februar 2022.

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27. Januar 2022 

Gemeinsam gegen Antisemitismus und Neonazismus

Insgesamt ca. 130 Menschen gedachten am Donnerstag, dem 27. Januar 2022, als Einzelpersonen oder in kleinen Gruppen, auf dem Platz vor der Hufeisentreppe in der Zeit von 10 bis 16 Uhr der Befreiung von Auschwitz und der Opfer des Nationalsozialismus.
Gezeigt wurde ein knapp achtminütiger Film, in dem der Auschwitz-Überlebende Otto Dov Kulka aus dem Buch „Landschaften der Metropole des Todes” Bruchstücke seiner Erinnerungen an das KZ Auschwitz, seine immer wiederkehrenden Bilder und Träume schildert. Der Stand mit laufendenm Video Im Ergebnis entsteht eine beeindruckende Reflexion, die bei dem Zuschauer/-hörer die Wahrnehmung der Vergangenheit verändert.
Viele Menschen in der ‚Welt nach Auschwitz’ haben nichts oder nicht allzu viel aus der Geschichte gelernt. Sie erinnern sich lediglich schnell daran, dass das Vergessen-Können das beste Überlebensmittel ist. Sie haben wieder oder weiterhin ihre Lieblings-Feindbilder und Sündenböcke, sie pflegen ihre Ressentiments und Vorurteile. Und sie scheinen aus allem kurzfristig immer unbeschadet hervorzugehen.
Otto D. Kulkas Buch mit dem Titel Landschaften der Metropole des Todes Doch Kulkas Sichtweise zeigt, dass Vergangenheit tatsächlich nicht vergeht, ja nie vergangen ist. Seine Erinnerungen wirken gegenwärtig. Auch wenn man weiß, dass einmal Verlorenes unwiederbringlich verloren ist, dass Tote nicht wiederaufstehen, wird es von ihm über sein Zur-Sprache-Bringen wiederbelebt und dem Vergessen entrissen. Die gelesenen Fragmente wirken als ein vorläufiges Résumé: Kein Schlussstrich, solange die Erinnerung lebt.
Kulka spricht über Szenen seiner Kindheit, nicht um sie zu analysieren oder zu deuten. In ihnen zeigt er Formen und Mechanismen von Gewalt und Hilflosigkeit, die das Leben in Auschwitz charakterisierten, die Auschwitz erst ermöglichten, die es in etwas anderer Form immer noch gibt und die daher heutzutage uns alle angehen.
Niemand soll sich in der heutigen Zeit herausreden können.
Letzteres gilt auch in unserer Siedlung.
In der Nacht vom 25. auf den 26. Januar verteilte die Neonazi-Vereinigung „Der III. Weg” in der Fritz-Reuter-Alle Hasspamphlete, in denen unter der Überschrift „Mietwahnsinn” die Ursache für steigende Mieten und den Mangel an sozialem Wohnraum in Geflüchteten sowie allen „Fremdländern” gesehen wird. Wieder gibt es Sündenböcke, die für eine gesellschaftliche Entwicklung verantwortlich gemacht werden, auf die sie gar keinen Einfluss haben. Geflüchtete erklärt „Der III. Weg” kurzerhand zu Tatwerkzeugen von anonym aus dem dunklen Hintergrund operierenden ausländischen Spekulanten und Mächten, die als Drahtzieher deutsche Familien zugrunde richten wollen.
Sticker Nazis in den Mülleimer Das Ziel ist durchschaubar: Die Mieter sollen rassistisch kategorisiert und in „gute Deutsche” und „schlechte Migranten” gespalten werden. Auf diese Weise wird von den eigentlichen Verursachern der Mietsteigerungen abgelenkt. In einer aus Menschen unterschiedlicher Kulturen bestehenden Neuköllner Einwohnerschaft können soziale Rechte nur verteidigt und verbessert werden, wenn wir alle unabhängig von unserer Herkunft und Kultur zusammenstehen.
Rassismus und völkischer Wahn haben schon einmal Deutschland zugrunde gerichtet. Auch dafür steht der Name Auschwitz.
Vereinigungen wie „Der III. Weg”, die sich bewusst in die Tradition der Nationalsozialisten stellen und deren Verbrechen entweder gutheißen oder kleinreden, haben weder in der Hufeisensiedlung noch anderswo eine Existenzberechtigung. Sie gehören auf den Müllhaufen der Geschichte, ihre Flyer und Broschüren entsprechend in den Papiermüllcontainer.

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7. Januar 2022 

Achtung: Neonazi-Propaganda in der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung

Am Freitag, dem 7. Januar, haben viele Bewohner*innen der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung einen Flyer der Partei „Der III. Weg” in ihren Briefkästen vorgefunden.
Unter der Überschrift „Achtung Einbrecher!” versucht sie sich als einzige Ordnungskraft und bürgernahe Helfer darzustellen, die Sorgen und Ängste der Bürger*innen ernst nimmt.
Anti Propagande Sticker Mit entsprechenden Schutzhinweisen vor möglichen Einbrüchen will sich die Partei als Macher repräsentieren. Ihre Mitglieder sollen nicht als Neonazis wahrgenommen werden, sondern als besorgte Mitbürger, die sich über eine angeblich wachsende Kriminalität Gedanken machen und das Sicherheitsgefühl wiederherstellen wollen.
In ihren Schulungszirkeln wird jedoch ein anderes Ziel für diese „Sicherheitskampagne” ausgegeben: Ziel sei es zum einen mit dem Kriminalitätsvorwurf Stimmung gegen Zuwanderer anzuheizen und zum anderen den demokratischen Staat und seine Behörden als handlungsunfähig und schwächlich zu diskreditieren.
Fahne Hufeisern gegen Nazis Der wahre Charakter der Partei als eine neonazistische Vereinigung wird nicht nur daran deutlich, dass sie vor allem von Mitgliedern aus inzwischen verbotenen faschistischen Netzwerken und ehemaligen Mitgliedern der NPD getragen wird.
Die Partei versteht sich als völkisch-nationalistische Elite, ihr Programm ist eng an das Parteiprogramm der NSDAP angelehnt. Sie befürwortet Brandanschläge auf Geflüchtetenheime und fällt durch rassistische, islamfeindliche und antisemitische Hetze auf.
So gehört auch der Hauptverdächtige für die Brandanschläge in unserer Siedlung und ihrem Umfeld, Sebastian Thom, mittlerweile der Parteigliederung „Stützpunkt Berlin” als Mitglied an. Im Bundestagswahlkampf 2021 provozierte „Der III. Weg” vor allem mit zwei Aktionen, die bundesweit Aufmerksamkeit fanden und die Gerichte beschäftigten:

  • In Sachsen sowie in München klebte die Partei in der Nähe von Parteibüros von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Plakate mit dem Slogan „Hängt die Grünen”. Weil die Plakate vor Gericht als volksverhetzend eingestuft wurden, mussten sie wieder entfernt werden.
  • In Würzburg installierte „Der III. Weg” drei Strohpuppen mit Kunstblut als Leichen auf dem Boden. Diese wurden mit Fotos von Olaf Scholz (SPD), Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) versehen. Alle drei kandidierten für das Amt des Bundeskanzlers beziehungsweise der Bundeskanzlerin.
Wir bitten Sie, die Flyer dort zu entsorgen, wo sie hingehören: in den Papiermüll.

Auch in den Corona-Zeiten dürfen wir den Neonazis und Rassisten keinen Raum für ihre demokratie- und menschenfeindlichen Parolen bieten.

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20. Dezember 2021 

Ein Zeichen gegen den heutigen Antisemitismus! Zwei neue Stolpersteine für Eleonore und Elisabeth Rosenthal

Foto der Stoplersteine Am Montag, dem 20. Dezember 2021, wurden auf Initiative einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Fritz-Karsen-Schule und dem Museum Neukölln vor der ehemaligen Wohnung von Eleonore und Elisabeth Rosenthal in der Buschkrugallee 250a zwei Stolpersteine verlegt.
Nachdem der Ingenieur Heino Rosenthal eine Arbeitsstelle in Moskau angenommen hatte, zogen die in Deutschland verbliebene Ehefrau mit ihrer gemeinsamen Tochter 1933 in die Hufeisensiedlung. Kurz nach ihrem Einzug bekamen die beiden Jüdinnen hautnah den nationalsozialistischen Terror zu spüren. Der mit der Familie befreundete antifaschistische Dichter Erich Mühsam wurde abgeholt und in Haft genommen. Seine Frau Zenzl suchte bei Eleonore Trost und Schutz. So erfuhr Elisabeth schon mit fünf Jahren, was es mit einem Konzentrationslager auf sich hatte. Eleonore und Heino Rosenthal
Auch lernte sie sehr früh, dass in dieser Zeit Schweigen nicht nur Gold, sondern auch Leben Wert war. Versteckte doch ihre Mutter, obwohl selbst drangsaliert, die Frau des untergetauchten Kommunisten Friedrich Grünberg und deren Kinder über einen längeren Zeitraum in ihrer Wohnung. Während die Mutter sich mit Kurzzeittätigkeiten und gelegentlichen Spenden der „Roten Hilfe” durchschlagen musste, bekam Elisabeth zunehmend den wachsenden Antisemitismus in ihrer Schulklasse zu spüren. Elisabeth (links) und Hannah. ca. 1937 Lediglich ihre von den Nazis als „Halbjüdin” deklarierte Freundin Hannah Schmelzer (Familie Schmelzer gelang 1939 die Emigration nach England) sowie die Tochter der nichtjüdischen Familie Krause, Käthe Krause, hielten zu ihr. Vor allem Familie Krause unterstützte die beiden Rosenthals, wo sie nur konnte. Schließlich gelang es Eleonore, ihre Tochter 1939 mit einem Kindertransport nach England zu schicken. Sie selbst folgte kurze Zeit später. Eleonore Rosenthal ist 1996 in England verstorben, ohne dass sie Berlin jemals wiedergesehen hat. 2019 starb auch Elisabeth Rosenthal. Sie hat nicht nur ihr Leben lang mit ihrer Freundin Käthe und deren Familie in enger Brieffreundschaft gestanden, sondern 2013 im Rahmen der Ausstellung des Museums Neukölln Das Ende der Idylle? Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung in Britz vor und nach 1933 ihre jüngere Freundin Hannah Schmelzer wiedergetroffen.
Die Erinnerung an Ausplünderung, Unterdrückung und Verfolgung, an die Vernichtung jüdischen Lebens an allen Orten, an denen faschistische Herrschaft wütete, darf in der heutigen Zeit nicht verloren gehen. Wenn Menschen, wie in jüngster Zeit in Berlin und auch in der Hufeisensiedlung geschehen, wegen des Tragens oder Zeigens religiöser Symbole des Judentums tätlich angegriffen oder bedroht werden, wenn Verschwörungserzählungen von „jüdischen Drahtziehern und Raffenden” im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen Corona-Infektionsschutzmaßnahmen die Runde machen, Besucher der Veranstaltung dann verweist die Erinnerung an den faschistischen Antisemitismus darauf, dass die Grenze von Toleranz nicht nur erreicht, sondern längst überschritten ist.
Die 70 Anwesenden klatschen immer wieder Beifall, wenn die Schülerinnen und Schüler der Fritz-Karsen-Schule sowie die Redner*innen des Museums Neukölln und aus der Bezirkspolitik die Stolpersteinverlegung nicht nur als Erinnerung an die Schrecken der nationalsozialistischen Vergangenheit, sondern auch als Aufforderung zum Handeln in der Gegenwart bezeichneten. So stand am Ende der Würdigung der beiden jüdischen Frauen die Forderung an die Anwesenden:

Gemeinsam gegen jeglichen Antisemitismus!

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10. November 2021 

Presseerklärung der Anwohner*inneninitiative „Hufeisern gegen Rechts” zu den antisemitischen Angriffen auf ein Britzer Ehepaar im Umfeld der Hufeisensiedlung

Während am Abend des 9. November mehr als 150 Menschen in der Hufeisensiedlung dem Aufruf des DGB-Kreisvorstandes Neukölln, den Neuköllner Kreisverband der SJD „Die Falken” und der Initiative Hufeisern gegen Rechts gefolgt waren, um an den antisemitischen Terror des Jahres 1938 zu erinnern und gegen aktuelle antisemitische Übergriffe zu protestieren, ereignete sich in unmittelbarer Nähe der Hufeisensiedlung in der Gielower Straße eine antisemitische Straftat.
Wir gehen davon aus, dass das Hakenkreuz gezielt an die Fassade des Hauses gesprüht worden ist. Denn das Ehepaar war bereits vor zwei Wochen mit Tränengas durch die Gartenhecke besprüht worden - offensichtlicher Anlass für den bisher unbekannten Täter war die auf Hebräisch geführte Unterhaltung des Paares. Die Schamlosigkeit des Täters zeigt sich daran, dass er ausgerechnet den Jahrestag der Reichspogromnacht als Tatzeit seiner antisemitischen Drohung ausgewählt hat.
Die Initiative Hufeisern gegen Rechts befürchtet, dass es zu weiteren Angriffen auf die beiden Personen und das Haus kommt. Es gibt mehrere Beispiele aus dem „Neukölln-Komplex”, bei denen die in der rechtsextremen Neuköllner Szene zu verortenden Täter versucht haben, Menschen durch wiederholte Angriffe zum Wegzug zu bewegen, also zu vertreiben. In unmittelbarer Nähe des jetzigen Tatorts brannte Anfang 2017 das Auto eines sich gegen rechte Politik engagierenden Gewerkschafters. Seitdem wird sein Haus immer wieder mit Propagandadelikten überzogen, die zeigen sollen: Fühle dich nicht sicher, wir sind noch da und haben dich weiterhin im Visier.
Hier soll Angst geschürt werden, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, sondern auch im Wohnumfeld.
Deshalb erwarten wir von der Polizei eine zügige Aufklärung der Straftaten. Wir fordern mehr Sorgfalt bei der Untersuchung des Tatortes, eine genauere Analyse des Britzer Personenkreises, der in der rechtsextremistischen Neuköllner Szene verkehrt sowie eine Kommunikation mit den Betroffenen, die die Ernsthaftigkeit der Aufklärungsbemühungen deutlich macht.
Für uns wird wieder einmal deutlich, dass die rechte Anschlagserie, die unter dem Begriff „Neukölln-Komplex” zusammengefasst wird, nicht mit dem Jahr 2017 endet, wie es von Seiten der Ermittlungsbehörden und Senator Geisel behauptet wird, sondern auch in den folgenden Jahren bis zum heutigen Tag ihre Fortsetzung findet.
Unsere Solidarität gilt den beiden angegriffenen Personen, denen wir jede von ihnen gewünschte Unterstützung zusichern.

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9. November 2021 

9. November 1938 und 2021 in der Hufeisensiedlung - Nachbarinnen und Nachbarn erinnerten an den antisemitischen Terror damals und heute.

Etwa 150 Menschen waren dem Aufruf des Neuköllner KV des DGB, der Neuköllner Falken und der Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts gefolgt, um an das Pogrom von 1938 zu erinnern und Schlussfolgerungen für die Auseinandersetzung mit dem heutigen Antisemitismus zu ziehen. Kundgebung Der erste Teil des Gedenkens fand vor dem ehemaligen jüdischen Konfektionsgeschäft von Carl Baum in der Fritz-Reuter-Allee 50 statt, das von Britzer SA-Männern am Morgen des 10. Novembers zertrümmert wurde. Vorgetragen wurden kurze Zeitzeugenberichte, die die Untat schilderten.
In einem weiteren Beitrag wurde auf die Hintergründe des Pogroms eingegangen und das Fortleben antisemitischen Denkens in der heutigen Zeit an Beispielen aus der Hufeisensiedlung geschildert. musikalischer Beitrag Die Anwesenden waren sich einig, dass dieses nicht stillschweigend hingenommen werden darf, sondern die Auseinandersetzung mit ihm gesucht werden muss. Begleitet wurde das Gedenken von Isabel Neuenfeldt, die mit von ihr vertonten Gedichten von jüdischen Frauen im Exil und in den Konzentrationslagern einfühlsam vor, zwischen und nach den Reden die Anwesenden berührte.
Anschließend wurde in der Fritz-Karsen-Schule der Stummfilm „Die Stadt ohne Juden” gezeigt. Der 1924 entstandene Film schildert die Vertreibung der Juden aus einem fiktiven Land als Sündenböcke für die wirtschaftliche Krise und um die rebellierenden Arbeiter zu beruhigen. Im Gegensatz zur späteren grausamen Realität endet der Film jedoch mit der Rückkehr der jüdischen Bevölkerung, da das Land den mit der Ausweisung verbundenen wirtschaftlichen, kulturellen und menschlichen Verlust nicht mehr erträgt und das Gesetz über die Verbannung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger aufhebt. Podiumsdiskussion
In der anschließenden Podiumsdiskussion stellten 2 Mitglieder der Falken, eine Lehrerin der Fritz-Karsen-Schule sowie ein gewerkschaftlicher Bildungsreferent Überlegungen an, wie Jugendarbeit in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen antisemitische Vorfälle und Denkmuster erlebt, verarbeitet und offensiv begegnet.

Wie notwendig diese Diskussion ist, zeigte sich am nächsten Morgen, als bekannt wurde, dass parallel zur Veranstaltung am 9. November mindestens ein neonazistischer Täter einige Straßenzüge entfernt in der Gielower Str. eine Hauswand mit einem Hakenkreuz beschmiert hat und die beiden Bewohner bereits zwei Wochen vorher während ihrer auf Hebräisch geführten Unterhaltung mit Tränengas übersprüht hatte. Die Solidarität der Veranstaltungsteilnehmer*innen ist hier gefragt.
Gemeinsam handeln gegen rechts - dazu gibt es keine Alternative.

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18. September 2021 

Niemand ist vergessen - Anwohner*innen putzten die Stolpersteine in der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung

Am Nachmittag des 18. Septembers machten sich einige Mitglieder der Initiative Hufeisern gegen Rechts auf den Weg, um die zwölf kleinen, in die Bürgersteige der Hufeisensiedlung eingelassenen Stolpersteine wieder zum Glänzen zu bringen. Die kleinen Denkmäler erinnern die Vorrübergehenden an von den Nazis ermordete Bewohner*innen der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung.

Foto eines gesäuberten Stoplersteins Bei der Säuberung der Steine wurde in kurzen Beiträgen über das Wirken und das Schicksal der jeweiligen Person berichtet, der der Stein gewidmet ist. Auf diese Weise haben wir versucht, dem Grundsatz Rechnung zu tragen, dass es kein Verständnis für Gegenwart und Zukunft ohne Erinnerung an die Vergangenheit gibt.

Drei Wochen vorher hatte die Initiative zu einer feierlichen Zeremonie anlässlich der Verlegung der Stolpersteine 11 und 12 in die Talberger Str. 10 eingeladen. Musikalisch begleitet von der Gruppe „Querbeet” verlegt Günter Demnig in Anwesenheit von 60 Anwohner*innen die beiden Steine. Sie erinnern an die antifaschistischen Widerstandskämpfer*innen Elfriede und Werner Schaumann, die den Kampf gegen das Naziregime mit Beginn seiner Herrschaft bis zu ihrer Verhaftung 1942 geführt haben. Foto der neu verlegten Stoplersteine für Elfriede und Werner Schaumann

In zwei Redebeiträgen wurde auf die heutige Bedeutung von Verfolgung und Widerstand während der faschistischen Herrschaft angesichts der ständigen Versuche rechter Bewegungen und Parteien, die deutsche Geschichte von den Naziverbrechen zu entsorgen, hingewiesen. Vor allem Georg Weise, Sohn des Widerstandskämpfers Kurt Weise, unterstrich in seinem Redebeitrag als Zeitzeuge, unter welch schwierigen Bedingungen es nur möglich war, den ungleichen Kampf aufzunehmen und zu führen, einem Kampf, der auch die gesamte Familie betraf, ob Ehefrau oder Kind. Das Fazit seiner Lebenserfahrungen lautet: „Nie wieder!” Foto der feierlichen Verlegung der Stoplersteine für Elfriede und Werner Schaumann

Es ist unsere Aufgabe, die Feinde der Zivilisation, einer demokratischen und sozialen Gesellschaft rechtzeitig in die Schranken zu weisen. Ihr nachzukommen ist die höchste Ehrung, die wir Elfriede und Werner Schaumann sowie allen anderen aus politischen oder/rassischen Gründen von den Nazis verfolgten und ermordeten Menschen erweisen können.

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28. August 2021 

Verlegung von zwei Stolpersteinen

Hufeisern gegen Rechts lädt ein:

Samstag, dem 28. August 2021, um 11:45 Uhr,
Talberger Straße 10i,
12359 Berlin (Nähe U-Bhf. Parchimer Allee)

Die beiden Stolpersteine erinnern an den Bauführer Werner Schaumann und seine Ehefrau, die Chemotechnikerin Elfriede Schaumann, die von den Nationalsozialisten ermordet bzw. in den Tod getrieben wurden.


Beide gehörten bereits unmittelbar nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten dem antifaschistischen Widerstand im Rahmen der Internationalen Arbeiterhilfe und des Arbeitersportvereins „Fichte Berlin” an. Foto von Elfriede Schaumann
Ab 1936 organisierten sie in Britz eine Widerstandsgruppe, die gemeinsam ausländische Sender hörte und die Informationen zur Auseinandersetzung mit der gleichgeschalteten Öffentlichkeit aufbereiteten. Darüber hinaus gehörten sie zeitweise der Britzer Widerstandsgruppe um Hans-Georg Vötter und Joachim Franke an.
Am 23. Mai 1942 wurde Werner Schaumann und am 10. September 1942 Elfriede Schaumann von der Gestapo festgenommen. Die Verhaftungen erfolgten in Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Nazi-Propaganda-Ausstellung „Das Sowjetparadies” am 18. Mai 1942 im Lustgarten. Unter Folter hatte ein Beteiligter der Gestapo Namen von ihm bekannten Männern und Frauen des Berliner Widerstands genannt, von denen weitere Verbindungen erpresst wurden. Foto von Werner Schaumann Auf diese Weise wurden viele Gruppen und Einzelpersonen, die an dem Anschlag gar nicht beteiligt waren, verhaftet, darunter auch Werner und Elfriede Schaumann und ihre Mitstreiter*innen.
Um sich den Folterverhören zu entziehen nahm Elfriede Schaumann sich nach der ersten Vernehmung am 14. September 1942 das Leben. In Ihrem Abschiedsbrief heißt es, dass sie mit ihrem Körper nicht machen lasse, was andere wollen.
Werner Schaumann wurde am 5. Februar 1943 vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt und am 11.5.1943 in Plötzensee hingerichtet. In seinem letzten Brief schreibt er an seine Familie: „Ich bin sehr ruhig; aufrecht wie ich gelebt habe, will ich auch sterben! - Ich weiß, dass ich euch viel Schmerzen bereitet habe, aber ich konnte nicht anders handeln, wenn ich ehrlich bleiben wollte.”

Musikalisch umrahmt wird die Verlegung von der Gruppe „Querbeet”.

Sie sind herzlich eingeladen.

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14. August 2021 

Wir stimmen gegen Nationalismus und Rassismus!

Gemeinsame Plakataktion in der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung anlässlich der Wahlen am 26. September 2021

Am Samstagvormittag des 14. Augusts haben Vertreter*innen des Albert-Einstein-Gymnasiums, der Annedore-Leber-Oberschule und der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule, der Neuköllner Bezirksorganisationen von SPD, Bündnis90/Die Grünen und DIE LINKE, der Neuköllner Kreisverbände von DGB und SJD-Die Falken, des Britzer Bürgervereins sowie der Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts 130 Plakate in der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung angebracht. Gruppenfoto der beteiligten Personen Auf ihnen rufen die beteiligten Organisationen und Einrichtungen auf, die Wahlentscheidung am 26. September zu einer Abstimmung gegen Rassismus und Nationalismus zu machen.

Die bundesweite Existenz von AfD-Fraktionen in den Parlamenten zeigt die Notwendigkeit, sich dem Angriff auf die deutsche Demokratie zu widersetzen. Foto eines hängenden Plakats mit der Aufschrift: Siedlung mit Courage! Wir stimmen gegen Nationalismus und Rassismus! Gerade die Erfahrungen in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung haben vor Augen geführt, dass es der AfD nicht um konstruktive Parlamentsarbeit geht. Ihr Ziel besteht in öffentlichkeitswirksamen rassistischen Provokationen und der Behinderung parlamentarischer Arbeit mittels Geschäftsordnungstricks. Begleitet wird dieser Parlamentsboykott von der Diffamierung demokratischer Jugend-, Bildungs- und Sozialarbeit, die sich mit den völkischen Auffassungen und Aktivitäten der AfD und ihres politischen Umfeldes auseinandersetzt.

Die Vernichtung von Büchern in einer Schöneberger Bibliothek stellt ein warnendes Beispiel für den demokratiezerstörenden Kurs rechter Alltagspraxis dar. Ein Plakat wird befestigt An derartigen Alltagserscheinungen völkischer Anschauungen wird deutlich, wohin die demokratiefeindlichen Wege führen. Die Erinnerung an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 als Ausdruck von Intoleranz und Gewalt gegen Andersdenkende drängt sich geradezu auf.

Dagegen gilt es sich frühzeitig zu wehren. Die Wahlentscheidung am 26. September 2021 ist eine Gelegenheit, der AfD und ihrem rechtsextremistischen Umfeld eine Abfuhr zu erteilen.

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17. Juli 2021 

Erich-Mühsam-Kundgebung 2021 im Hufeisen

Ernst und unterhaltsam zugleich

Der angekündigte Starkregen blieb aus, dafür kamen mehr als 100 Menschen, um an unseren ehemaligen Nachbarn, dem Dichter und Anarchisten Erich Mühsam, auch in diesem Jahr in der Hufeisensiedlung zu erinnern. Portrait von Erich Mühsam

Angesichts der zunehmenden rechten Angriffe auf Jüdinnen und Juden hatte die Initiative Hufeisern gegen Rechts die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Rassismus als Thema ihres Wortbeitrags in den Mittelpunkt gestellt.

Erich Mühsam hatte zwar seiner jüdischen Herkunft keine besondere Bedeutung beigemessen, war aber aufgrund der antisemitischen Hasstiraden der Nazis immer wieder gezwungen, nicht nur vor der existentielle Gefahr der faschistischen Bewegung für die sozialistische Arbeiterbewegung zu warnen, sondern sich auch der rassistischen Angriffe gegen ihn und generell gegen das Judentum „als ein Symptom reaktionärer Hochkonjunktur” zu erwehren.

Parallelen zu der heutigen Zeit, vor allem zu den rassistischen Anschlägen, zog der Redner der Anwohner*inneninitiative, indem er auf den rechten Terror in Neukölln hinwies, mit dem seit mehr als zehn Jahren bis in die jüngste Zeit Menschen mit Morddrohungen überzogen, Autos angezündet, Scheiben eingeschlagen sowie das Gedenken an Tote beschmutzt werden. Publikum auf der Treppe am Hufeisen Um endlich aufzuklären, wie sich seit Jahren eine gewaltorientierte rechte Szene entwickeln konnte, wies er noch einmal auf die Forderung Neuköllner Organisationen und Initiativen sowie von Gewalt Betroffenen hin, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Vorgängen und den Ungereimtheiten bei der Ermittlungsarbeit der Behörden einzurichten.

Auch Lienhard Böhning, Vorsitzender der Erich-Mühsam-Gesellschaft, ging in seinem Beitrag auf die Aktualität von Erich Mühsams Haltung zu rassistischen und antisemitischen Diskriminierungen ein. Redebeitrag der Erich-Mühsam-Gesellschaft Am Beispiel der am 10. Juli dieses Jahres verstorbenen Auschwitz-Überlebenden Esther Bejerano, die aus ihrer eigenen Erfahrung Rassismus und Rechtsradikalismus als größte Bedrohung menschlichen Zusammenlebens bezeichnet habe, zeigte er, wie notwendig das unermüdliche Engagement gegen jeglichen Rechtsradikalismus und für eine Verständigung von Juden, Christen und Muslime für die Verteidigung demokratischer Grundrechte in unserem Land sei. So sei es unerträglich, dass dem Rassismus und Antisemitismus der AfD in den Talkshows und Interviews in den öffentlichen Medien eine ständige Plattform geboten werde. Dies sei einer Demokratie unwürdig und müsse vor allem angesichts des bevorstehenden Wahlkampfes ein Ende finden. Das Lebensmotto von Esther Bejenario müsse bei uns allen, die für Demokratie und Menschenrechte eintreten, Leitlinie sein und bleiben:

„Nie mehr schweigen, wenn Unrecht geschieht. Seid solidarisch! Helft einander! Achtet auf die Schwächsten! Bleibt mutig! Ich vertraue auf die Jugend, ich vertraue auf euch! Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg!”

Doch es wäre keine Veranstaltung im Sinne Mühsams, wenn nicht auch neben seiner politischen Entschlossenheit seine humorvollen, lebenswütigen und geselligen Seiten zur Sprache gekommen wären. Dafür sorgte der musikalische Beitrag von Ralf „Trotter” Schmidt, Mario „Bibi” Schulz und Ilja Plettner mit der Premiere ihres Erich-Mühsam-Programms „Da bin ich, öffne zögernd deine Tür”. Musikalischer Beitrag Freiheit, Rebellion und Antifaschismus paarten sich hier mit Themen wie Einsamkeit, verschmähter Liebe und sexuellen Abenteuern. Dieser Vielfältigkeit trugen die Musiker auch dadurch Rechnung, dass sie die so unterschiedlichen Themen und lyrischen Formen mit einem breiten Spektrum an musikalischen Stilen präsentierten. Vom Blues, rockigen Balladen über Folk mit Jazzelementen bis hin zur Anlehnung an deutsche Arbeiterhymnen bewegten sich „Trotter” Schmidt und seine Mitmusiker und verschafften den Kundgebungsteilnehmer*innen ein abwechslungsreiches, genussvolles Erlebnis, das sich auch in dem große Beifall und der Forderung nach Zugaben ausdrückte.

Ein besonderer Dank gilt der Fritz-Karsen-Schule, die uns die Musikanlage zur Verfügung gestellt hat.

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8. Mai 2021 

Zwangsarbeit in der Hufeisensiedlung - eine verdrängte Geschichte

Anlässlich des 8. Mai 2021, dem Tag der Befreiung vom Faschismus lädt die Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts zu unserer Ausstellung ein.

Samstag, den 8. Mai,

⇒ 13:00 - 17:00 Uhr auf dem Platz vor der Hufeisentreppe.

⇒ 16:30 Uhr Enthüllung einer Gedenktafel am Standort des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers Onkel-Bräsig-Str. 6-8


Foto eines Zwangsarbeiters auf der Treppe zum Hufeisen Millionen Menschen aus den besetzten Gebieten, vor allem aus Polen und der Sowjetunion, haben die Nazis während des 2. Weltkrieges nach Deutschland verschleppt. Als Zwangsarbeiter*innen wurden sie in nahezu allen Wirtschaftsbereichen eingesetzt, von der Rüstungsproduktion über Verkehrsbetriebe bis zu privaten Haushalten - oft unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Jahrzehntelang hat die deutsche Geschichtsschreibung dieses Thema kaum berührt.

Auch in unserer Siedlung konnte oder wollte sich lange Zeit niemand an die Existenz von Zwangsarbeiter*innen erinnern.

Grafik mit der Anzahl der Zwangsarbeiter in Deutschland bezogen auf die Herkunfstländer Und doch gab es sie.

In zwei Lagern sowie mehreren Haushalten und kleinen Gewerben lebten und arbeiteten hauptsächlich aus Polen und der Sowjetunion deportierte Zwangsarbeiter*innen. Vor allem sie haben den Tag der Befreiung als solchen empfunden.

Mit der Ausstellung und der Gedenktafel wollen wir daran erinnern: Rassismus und Missachtung der Menschenwürde sind Verbrechen! In unserer Siedlung haben sie keinen Platz.

Sie sind herzlich eingeladen.

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20. März 2021 

Zusammen gegen Rassismus - eine Menschenkette für 100% Menschenwürde

Zum Internationalen Tag gegen Rassismus treffen wir uns

Logo des Internationalen Tags gegen Rassismus Samstag, 20. März 2021, 11 Uhr
Alt-Rudow, Ecke Neudecker Weg

Rassismus ist ein weltweites Phänomen. Deutschland und damit auch Berlin bilden hier keine Ausnahme. Rassismus begegnet man im Parlament, in Behörden, der Polizei, auf der Arbeit, in Universitäten, Schulen und Kindergärten, in Vereinen, in Geschäften und auf der Straße.

Das Berliner Register verzeichnete im Jahr 2020 allein in Neukölln 214 rechtsextreme, rassistische und antisemitische Vorfälle.

Oft geschieht dies außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung, wie die folgenden drei Beispiele aus Britz, Buckow und Rudow belegen:

  • Sieben Frauen im Alter von 15 bis 71 Jahren und ein 24-jähriger Mann wurden gegen 15.00 Uhr in der Straße Am Grünen Weg in Britz von einer 45-jährigen Frau antimuslimisch beleidigt und mit Pfefferspray ins Gesicht gesprüht.

  • Nicht weit von diesem Ort entfernt wurde im Januar 2021 der Gedenkort des aus rassistischen Gründen ermordeten 22-jährigen Burak Bektas zum wiederholten Male geschändet.

  • Menschen und Einrichtungen, wie die Rudower Kirchengemeinde, die sich für Geflüchtete einsetzen und sich um ein soziales, demokratisches Miteinander unter der vielfältigen Neuköllner Einwohnerschaft bemühen, werden bedroht und angegriffen.

Diesen alltäglichen Rassismus wollen wir nicht hinnehmen!

Wir fordern aber auch ein eindeutiges Vorgehen von Polizei und Justiz gegen die Täter*innen. Dazu gehört endlich ein konsequentes Vorgehen gegenüber Mitgliedern der Ermittlungsbehörden, die mit Täterkreisen bekanntermaßen sympathisieren oder diese unterstützen.

Mit völkischen Gruppierungen und Parteien darf es für Demokrat*innen keine stillschweigende Duldung, geschweige denn eine Zusammenarbeit geben. Rechten Parteien gilt es bei den Bundestags-, Abgeordnetenhaus- und Bezirksverordnetenwahlen im Herbst eine Abfuhr zu erteilen.

Deshalb demonstriert mit uns für ein Neukölln frei von Rassismus und Gewalt.

Es rufen gemeinsam auf: Rudow empört sich, Hufeisern gegen Rechts, Bündnis Neukölln

Wir bitten um strikte Einhaltung der Infektionsschutzregeln!

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10. März 2021 

Protest gegen verschwörungsideologischen Autokorso in Britz

am Mittwoch, dem 10. März 2021,
von 19 bis 20 Uhr
an der Buschkrugallee/Ecke Blaschkoallee

Seit Wochen fahren Autokorsos durch Marzahn und Lichtenberg. Nun wollen Coronaleugner auch in Treptow und Süd-Neukölln „gegen die Ignoranz unserer Regierung gegenüber den Menschen in unserem Land und der ganzen Welt” auf sich aufmerksam machen.
Die Corona-Krise fördert soziale Ungleichheiten und Entsolidarisierung in unserer Stadt.
Eine kritische Haltung gegenüber den einzelnen Infektionsschutzmaßnahmen ist ein demokratisches Recht.
Wir nehmen es aber nicht hin, wenn die Diskussionen um Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen menschverachtend und antisemitisch aufgeladen werden. Das Virus verschwindet nicht, wenn es geleugnet wird oder Sündenböcke dafür gesucht werden.
Die schweren Erkrankungen und die Toten - allein in Neukölln über 360 Coronatote - sprechen eine eindeutige Sprache.
Welche Leute hinter diesen Autokorsos stehen, wird an ihren Äußerungen deutlich: So verkündete laut Tagesspiegel vom 23.2.2021 der Redner auf der Abschlusskundgebung des Autokorsos in Marzahn: „Wir fahren so lange, bis diese ganze Regierung vorm Weltgerichtshof steht und für ihre ganzen Verbrechen gerade stehen muss” (...) Da könne die Kanzlerin ruhig „mit Panzern kommen” oder ihn „erschießen”. Seine unverhohlene Drohung: „So lange werden wir diese Satansbrut jagen, bis sie ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.” Das hat mit einer demokratischen Debatte nichts gemein.

Überlassen wir den Coronaleugnern nicht die Straße. Protestiert mit uns für eine offene, solidarische, vielfältige und demokratische Nachbarschaft in Britz.

Ihre Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts

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26. Februar 2021 

Der Brandanschlag auf 2 Obdachlose in Britz - kein rechter Hintergrund?

Am Freitag, dem 26.2.2021, zündeten drei junge Männer nacheinander zwei Zelte von Obdachlosen in der Parkanlage an der Britzer Gutschmidtstraße an. Einer der beiden Obdachlosen wurde durch Schläge schwer verletzt.
Die Polizei hat Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung aufgenommen. Einen rechtsextremen Hintergrund wird von ihr nicht gesehen.
Die Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts schließt sich dieser Einschätzung nicht an.
In Deutschland besteht eine lange Tradition der Diskriminierung von Obdachlosen. Schon im 19. Jahrhudert galten „Landstreicherei”, „Müßiggang” oder „arbeitsscheu” als strafrechtliche Vergehen und wurden im Wiederholungsfall mit Anstaltsunterbringung geahndet.
Foto eines der Tatorte Während der Nazi-Zeit wurde diese Diskriminierung verschärft. Unter der Kennzeichnung „Berufsbetteltum”, „Berufsausbeutung”, „Wohlfahrtbetrügerei” und „Arbeitsunwilligkeit” wurden gesetzliche Regelungen erlassen, mit denen Obdachlose in Arbeitshäuser und Gefängnisse gerichtlich eingewiesen bzw. inhaftiert wurden.
Ziel der politischen Führung und der NS-Experten war nicht nur die Disziplinierung, Repression und Ausgrenzung von Randgruppen, sondern die „restlose Beseitigung” von „Asozialen” und „Gemeinschaftsfremden” aus der Gesellschaft. Arbeitslosigkeit und Kleinkriminalität, dauerhafte Fürsorgebedürftigkeit und „Nichtsesshaftigkeit” waren in dieser Sicht nicht Folge gesellschaftlicher Konflikte und sozialer Vernachlässigung, sondern Ausdruck charakterlicher Andersartigkeit und negativer Erbanlagen. Wer sich angesichts der staatlichen Drohungen und Sanktionen nicht anpasste, galt als „unverbesserlich„ und sollte endgültig aus der „Volksgemeinschaft” „ausgesondert” werden. 1937 erhielt die Kriminalpolizei die Zuständigkeit, im Rahmen „vorbeugender Verbrechensbekämpfung” sogenannte „Asoziale” ohne richterlichen Beschluss auf unbestimmte Zeit in KZs einzuweisen.
Auch wenn diese juristischen Bestimmungen mit der Befreiung vom Faschismus beseitigt wurden, ist das diskriminierende und abwertende Menschenbild immer noch existent und weit verbreitet. Der Angriff auf Obdachlose ist und bleibt somit Ausdruck einer rechtsextremen Auffassung, nach der Menschen, deren Leben den gängigen Vorstellungen eines „geregelten Lebens” von Wohnung, Arbeit und Unterhalt widerspricht, zu gesellschaftlichen „Parasiten” erklärt werden und zu bekämpfen sind.
Wenn die Polizei in den o.g. Fällen nicht von rechtsextremen Tätern spricht, mag sie Recht haben, dass die Angreifer nicht der organisierten rechten Szene angehören.
Unabhängig davon bleibt jedoch der geistige Hintergrund dieser schamlosen, menschenrechtsverletzenden Taten in Britz dem rechtsextremen Weltbild verhaftet. Menschen, die dem fiktiven Bild einer wie auch immer definierten „richtigen Lebensweise” (die Nazis sprachen von „Volksgemeinschaft”) nicht entsprechen, werden als minderwertige Existenz klassifiziert, die bestraft und ihrer Existenz beraubt werden müssen. Da die staatlichen Organe dieses nicht in ausreichendem Maß vornehmen, tritt an ihre Stelle zum Schutz vor der öffentlichen Existenz der „Anpassungsunwilligen” das Recht auf Selbstjustiz. Es ist keine Zufälligkeit, dass wir diese Selbstermächtigung häufig bei Menschen finden, die sich selbst als gesellschaftlich Benachteiligte fühlen, wobei es hier keine Rolle spielt, ob es sich um Menschen mit oder ohne Migrationsbiographie handelt. Rechte Anschauungen machen keinen Halt vor Ländergrenzen. Sie lassen sich jedoch auch nicht - wie es die Polizei in diesem Fall tut - auf den organisierten Rechtsextremismus reduzieren. Sie sind tief verwurzelt in der Mitte unserer Gesellschaft. Die verbreitete, kaum hinterfragte Verachtung gegenüber Obdachlosen, die sich in gängigen Bezeichnungen wie „Penner”, „Landstreicher” oder „Berber” zeigt, ist ein deutliches Indiz.
Als Initiative, die sich für ein demokratisches Miteinander von Menschen unterschiedlicher Lebensentwürfe einsetzt und gegen das Vordringen rechter Denk- und Verhaltensmuster wendet, rufen wir zur Solidarität mit den betroffenen Obdachlosen auf.

Zeigen wir Zivilcourgage, wenn Obdach- oder Mittellose verbal oder körperlich angegriffen werden. Auch hier gilt: Menschenwürde ist unteilbar!

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22. Februar 2021 

Pressemitteilung der Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts zu dem Zwischenbericht der Expertenkommission zum „Neukölln-Komplex” vom 22.02.2021

Der Gesamttenor des Zwischenberichts zeigt, dass eine behördeninterne Kommission - auch wenn sie z. T. aus externen Personen besteht - wenig zur Aufklärung beitragen kann, warum die Ermittlungen zu den seit 10 Jahren stattfindenden rechten Anschläge in Neukölln keine Erfolge zeigen. Frau Leichsenring und Herr Diemer haben als Verantwortliche der Kommission nicht nur Akten eingesehen und mit Vertreter*innen von Polizei, Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft gesprochen, sondern auch mehrere Betroffene zu Gesprächen eingeladen. Die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit haben sie nun in einem Zwischenbericht vorgelegt, der kaum über das bisher Bekannte hinausgeht.
Dass die Betroffenen die Erfolglosigkeit der Arbeit der Ermittlungsbehörden bedauern, ist eine Banalität, deren Erwähnung schon an Peinlichkeit grenzt. Ihre Äußerungen als Ausdruck von Unverständnis zu bezeichnen, verkehrt die Haltung der Betroffenen zu der erfolglosen Ermittlungsarbeit ins Gegenteil. Jede/r Einzelne von ihnen kann Ursachen anführen - und hat dieses auch in der Vergangenheit gegenüber der Öffentlichkeit bereits getan -, die seiner Auffassung nach die desaströse Erfolgsquote erklären. Sicherlich stimmen sie in Details nicht immer überein. Aber gemeinsam ist ihnen, dass es in den Ermittlungsbehörden Blockaden gibt, die die Aufklärungsvorgänge nicht nur behindert, sondern auch verhindert haben.
Wir ersparen uns die Aufzählung der bekannten Ungereimtheiten bei den bisherigen Ermittlungen. Diese Fehler und Versäumnisse der Behörden werden in dem Zwischenbericht mit dem Hinweis abgetan, die Kommission habe aus den Akten und den Gesprächen mit Vertreter*innen der Ermittlungsbehörden kein Behördenversagen feststellen können. Der massive Vertrauensverlust bei den Betroffenen gegenüber Polizei und Justiz beruhe in erster Linie auf der unterschiedlichen Sichtweise gegenüber der Ermittlungsarbeit. Häufig würden von Seiten der Betroffenen Perspektiven eingenommen, die durch eine Pressearbeit eines Teils der öffentlichen Medien entstehe, die Verdachtsmomente gegenüber Mitgliedern von Polizei und Justiz vorschnell in harte Fakten ummünze und damit Vorurteile aufbaue bzw. stärke.
Als vorläufiges Ergebnis schlägt die Kommission eine intensivere Kommunikation von Vertreter*innen der Ermittlungsbehörden mit den Betroffenen unter Einbindung der örtlicher Initiativen und des Bezirksamtes vor, um „das gegenseitige Verständnis und Vertrauen füreinander zu erhöhen, Verbindlichkeit zu schaffen und so gemeinsam gegen die der Tatserie zugrundeliegenden, seit Jahrzehnten bestehenden rechtsextremistischen Strukturen vorzugehen”.
Angesichts unserer Erfahrungen empfinden wir diesen Vorschlag als wenig ermutigend.
In den vergangenen Jahren haben Betroffene mehrere Gesprächsrunden initiiert, an denen Vertreter*innen vom LKA, dem Verfassungsschutz, der Staatsanwaltschaft sowie Innensenator Geisel bzw. sein Staatssekretär Akmann teilgenommen haben. Dabei wurde uns immer wieder versichert, dass die Ermittlungen im Zusammenhang zu den Neuköllner Straftaten immer in seiner Gesamtheit als einheitlicher Vorgang von einer im Team arbeitenden Gruppe bei der Staatsanwaltschaft bearbeitet würden und diese Vorgehensweise auch bei der Polizei ihren Niederschlag finde. Unseren Zweifel an der Gesamtbetrachtung, die sich auf den für uns nicht nachzuvollziehenden Einstellungen einzelner Ermittlungsverfahren stützten, wurde immer wieder entgegengehalten, alle Akten würden immer wieder auf mögliche Zusammenhänge und Verbindungen zwischen den Straftaten und den Tatverdächtigen überprüft.
In einem Gespräch mit Generalstaatsanwältin Koppers erfuhren wir dann, dass sie die Verfahren des Neukölln-Komplex auch deshalb an sich gezogen habe, weil diese ohne Aktivitäten von Seiten des leitenden Staatsanwalts als Einzelvorgänge von unabhängig voneinander arbeitenden Staatsanwälten bearbeitet worden seien und kein Engagement zur Aufklärung erkennbar gewesen sei.
Es lag und liegt nicht an der fehlenden Kommunikation, dass unser Misstrauen gegenüber staatlichen Organen und Instanzen sowie deren Ernsthaftigkeit, die Ermittlungen zu einem erfolgreichen Ergebnis zu bringen, nicht entkräftet wurde. Hier geht es nicht um unterschiedliche Sichtweisen, sondern um Betrug und Lüge.
Solange derartiges Behördenhandeln nicht thematisiert wird, haben Kommissionen und ihre Berichte lediglich die Alibifunktion, Aktivitäten vorzutäuschen, wo keine sind.
Der Zwischenbericht macht für uns noch einmal deutlich, wie notwendig die Forderung nach
Einrichtung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses ist.

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27. Januar 2021 

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

An diesem Tag wurde 1945 das Konzentrationslager Auschwitz durch sowjetische Soldaten befreit.

Aus diesem Anlass zeigt die Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts einen Kurzfilm von knapp 3 Minuten zur Befreiung von Auschwitz. Wir laden Sie zu einem stillen persönlichen Gedenken ein.

Um dem Infektionsschutz Rechnung zu tragen, zeigen wir den Film in einer Dauerschleife am
Mittwoch, dem 27. Januar 2021,
von 9 bis 16 Uhr
auf dem Platz vor der Hufeisentreppe vor dem Haus Fritz-Reuter-Allee 50.

Nach Aussage des KZ-Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, wurden in dieser nationalsozialistischen „Todesfabrik” 1,135 Millionen Menschen ermordet, davon ca. 1 Million Jüdinnen und Juden. Darüber hinaus kamen mindestens 70.000 Polen, 21.000 Roma, 14.000 sowjetische Kriegsgefangene sowie 10.000 Tschechen, Belarussen und andere Opfer ums Leben. Überlebende von Auschwitz am Tag der Befreiung
Lediglich 7500 lebensbedrohlich unterernährte Häftlinge befanden sich noch am 27. Januar 1945 auf dem Lagergelände.
Sie hatten die NS-Mordmaschinerie überlebt, die gnadenlose Ausplünderung ihrer Arbeitskraft als Arbeitssklaven in den dem Lager angeschlossenen Fabriken des deutschen Chemiekonzerns IG Farben sowie in weiteren 47 Bergwerken, Industrieanlagen und landwirtschaftlichen Betrieben.
Ausgebeutet wurde aber nicht nur die Arbeitskraft der Deportierten: Jeglicher Besitz, ihre Kleidungsstücke, selbst Körperprothesen, Goldzähne und Haare „verwerteten” die Nazis. Und wie in anderen deutschen KZ fanden auch in Auschwitz gezielt medizinische Versuche mit Insassen statt. Besonders berüchtigt war der Arzt Josef Mengele. Er tötete bei seinen Experimenten zahlreiche Menschen. Mengele infizierte Kinder mit tödlichen Krankheiten, amputierte Gefangenen Glieder, schnitt Organe aus ihren Körpern oder ließ sie per Giftspritze ermorden, wenn seine Zwecke es „erforderten”.
Diejenigen, die die SS als „verwendungsunfähig” kategorisierte, wurden gleich nach der Ankunft auf der Bahnrampe ausgesondert und in die Gaskammern getrieben. Es handelte sich vor allem um Frauen und Kinder sowie alte oder schwache Männer.

Doch wer des 27. Januars gedenkt, muss auch den 30. Januar mitdenken.
Denn zur Frage nach dem Leiden der Opfer gehört auch die Frage nach den Tätern und gesellschaftlich Verantwortlichen. Nazi-Krieg gegen das eigene Volk: Am 28. April 1945 sprengt die SS das Karstadt-Kaufhaus am Hermannplatz Es muss darum gehen, nicht nur die Erinnerung der nationalsozialistischen Massenverbrechen an Juden, Sinti und Roma, Slawen, Homosexuellen, Zeugen Jehovas oder anderen Opfergruppen wach zu halten, sondern auch die Errichtung der faschistischen Herrschaft in Deutschland zu thematisieren.
Es gilt daran zu erinnern, dass erst die Beseitigung der Demokratie und die Verhaftung und Ermordung ihrer Verteidiger*innen die nationalsozialistische Diktatur möglich machten, die schließlich nicht nur einen Vernichtungskrieg gegen andere Länder - allen voran gegen Polen und die Sowjetunion - führte, sondern auch gegen Deutschland und seine Bevölkerung.

Warum halten wir diese Erinnerung für notwendig?
76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz droht die AfD ihren politischen Gegnern öffentlich:
„Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.”
Derartige Sätze erinnern uns an den 30. Januar 1933, an die damaligen Reden der NS-Funktionäre und an das, was danach kam.

Nie wieder Auschwitz, nie wieder Nationalismus und Rassismus!
Für Menschenrechte und ein demokratisches Miteinander!

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9. November 2020 

Dr. Curt Jacoby - von den Nazis vertrieben!

Wir erinnern an einen von vielen jüdischen Bewohner*innen unserer Siedlung.

Foto der Gedenkaktion Mit dem Pogrom vom 9. November 1938 leiteten die Nazis die endgültige Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland ein. Bereits kurz nach der faschistischen Machtübernahme 1933 hatten die Nationalsozialisten die mit der Diskriminierung und Entrechtung von Jüdinnen und Juden begonnen. So auch in unserer Siedlung.
Viele der ca. 80 von den Nazis als Jüdinnen und Juden deklarierten Bewohner*innen wurden vertrieben oder verhaftet und ermordet.
Stellvertretend für unsere ehemaligen jüdischen Mitbürger*innen haben Mitglieder der Anwohner*inneninitiative Hufeisern gegen Rechts vor dem ehemaligen Wohnsitz des jüdischen Arztes Dr. Curt Jacoby in der Hanne Nüte 83 an den antisemitischen Nazi-Terror erinnert.
Foto von Dr. Curt Jacoby Dr. Jacoby emigrierte 1937 mit Frau und Kind in die USA. In New York erhielt er 1939 seine Zulassung als Allgemeinmediziner. Nach seinem Tod im Jahre 1976 wurde er auch dort beerdigt.
Drei Texte von Bertolt Brecht, Günther de Bruyn und Mascha Káleko wurden vorgetragen und Blumen vor dem Hauseingang niedergelegt.
Auch in ”Corona-Zeiten„ muss die Erinnerung an rassisch und politisch motivierte Verfolgung und Ermordung von Menschen und die Warnung vor einem erneuten Anwachsen rassistischer und nationalistischer Anschauung in unserem Land wach gehalten werden.

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8. November 2020 

Der Neukölln-Komplex - rechter Terror in Berlin

Unbedingt reinschauen!

Titelbild des Films Der Neukölln-Komplex - rechter Terror in Berlin
In dem Video-Clip ”Der Neukölln-Komplex - rechter Terror in Berlin„ zeigen Betroffene anhand verschiedener Ereignisse das Ausmaß der rechten Gewaltangriffe der letzten Jahre auf die Neuköllner Zivilgesellschaft und die haarsträubende Arbeit der Ermittlungsbehörden.
Foto einer Fahne mit der Aufschrift: Untersuchungsausschuss Jetzt Der knapp 7-minütige Film der Medienkünstlerin Ina Rommee und dem Fotografen Stefan Krauss untermauert die politische Forderung nach Einrichtung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Umgang der Ermittlungsbehörden mit der rechten Gewalt in Neukölln.

Der Film kann über den folgenden Link angesehen werden:
https://youtu.be/M8fGaH8WhVU

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7. November 2020 

+fällt aus!+ ”Kinder der Blockade„ - Ein Film dokumentiert neun Zeitzeugen der Hungerblockade von Leningrad

+++ Wegen der aktuellen Corona-Infektionslage muss die Veranstaltung leider ausfallen.+++

Wegen der aktuellen Corona-Infektionslage muss die Veranstaltung leider ausfallen Sonnabend, den 7. November 2020,
Beginn 16 Uhr
in der Britzer Gemeinde der Berliner Stadtmission,
Malchiner Str. 73, 12359 Berlin (U-Bhf. Parchimer Allee)


Der 9. November 1938 steht für den rassistischen Terror der Nazi-Herrschaft. Doch dieser Terror fand nicht nur in Deutschland statt.
Wir wollen an Hand der fast 900 Tage währenden Belagerung Leningrads daran erinnern, dass der Krieg vor allem in Osteuropa von den Nationalsozialisten als Vernichtungskrieg gegenüber der Bevölkerung geführt wurde.
Fast eine Million Menschen - doppelt so viele wie während der alliierten Luftangriffe auf Deutschland, viermal mehr als durch die Atombomben auf Japan - starben in dieser Stadt. Die Mehrheit der in Leningrad eingekesselten Menschen starb nicht durch Granaten und Bomben, sie starb aus Hunger.
Noch immer wird über dieses deutsche Kriegsverbrechen beiläufig oder verfälschend hinweggegangen, noch immer herrscht in unserem Land das Bewusstsein vor, die Blockade Leningrads sei eine gewöhnliche militärische Operation und nicht ein gezieltes Genozid.

Foto der Kinder der Blockade Neun Überlebende der Leningrader Blockade sprechen über ihre Erlebnisse während der Belagerung der Stadt durch die Wehrmacht von 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944.

Der 55minütige Film von Ina Rommee und Stefan Krauss ist in Zusammenarbeit mit dem Club Dialog e. V. und dem Verein Lebendige Erinnerung entstanden, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Tragödien, die sich während des Zweiten Weltkriegs in der Stadt an der Newa ereignet haben, vor dem Vergessen zu bewahren.

Im Anschluss werden drei der im Film auftretenden Zeitzeugen mit uns über ihr Erleben diskutieren.

+++ Wegen der aktuellen Corona-Infektionslage muss die Veranstaltung leider ausfallen.+++

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3. Oktober 2020 

Gemeinsam gegen den Aufmarsch des ”III. Weges„ am 3. Oktober 2020

Als Teil eines breiten Berliner Bündnisses ruft Hufeisern gegen Rechts zu folgenden Protestkundgebungen auf:

- 11:00 bis 12:30 Uhr Kundgebung am Bahnhof Lichtenberg - Vorplatz
(von dort gemeinsame Anreise zur Kundgebung in Hohenschönhausen)

- ab 13:00 Uhr am Linden-Center in Hohenschönhausen, Zingster Straße
(Anfahrt: U 7 bis S-Bhf. Neukölln - S 42 bis Ostkreuz - S 75 bis Hohenschönhausen; alternativ: U 7 bis Hermannplatz - U 8 bis Alexanderplatz - Tram M 4 bis Prerower Platz)

Wir stehen für ein weltoffenes, vielfältiges Berlin und ein solidarisches Miteinander unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe und sexueller Orientierung. Dafür gehen wir am 3. Oktober auf die Straße - laut und entschlossen. Wir überlassen den Nazis nicht unsere Stadt!
Wir rufen alle Berliner*innen dazu auf, sich gemeinsam mit uns dem III. Weg und seinem Gefolge entgegenzustellen! Kommt zu den Kundgebungen, Demonstrationen und Aktionsorten entlang der Aufmarschroute. Es wird sichere Anlaufpunkte für die Nachbarschaft und Treffpunkte zur gemeinsamen Anreise aus der Innenstadt geben.

Kreidezeichnung mit dem Text: Kein Platz für Nazis Für den 3. Oktober 2020 hat die Neonazipartei ”Der III. Weg„ einen Aufzug von 14 bis 20 Uhr in Berlin angemeldet. Dieser Aufmarsch wird nach derzeitigen Informationen in Hohenschönhausen (Lichtenberg) ab S-Bahnhof Wartenberg zum Linden-Center stattfinden. Es kann aber noch zu einer kurzfristigen Ummeldung in einen anderen Stadtteil oder gar Bezirk kommen.

Nach den gemeinsamen Aktionen mit der bundesweiten ”Querdenken„-Bewegung wähnt sich die rechte Szene im Aufwind. Wir erwarten am gesamten Wochenende Aufzüge unterschiedlicher rechter und rechtsoffener Gruppen. Wir gehen davon aus, dass der Schwerpunkt in Berlin auf dem Aufmarsch des ”III. Weges” liegen wird. Viele Nazis werden diesem Aufruf folgen und nach Berlin kommen.

”Der III. Weg„ wird vor allem von Mitgliedern aus inzwischen verbotenen faschistischen Netzwerken getragen. Die Partei versteht sich als völkisch-nationalistische Elite, ihr Programm ist eng an das Parteiprogramm der NSDAP angelehnt. Sie befürwortet Brandanschläge auf Geflüchtetenheime und fällt durch rassistische, islamfeindliche und antisemitische Hetze auf.

Unser Ziel ist es, dieser faschistischen Partei mit positivem Bezug auf den Nationalsozialismus nicht die Straße zu überlassen.
Das bedeutet für uns am 3. Oktober engagiert die Hetze des III. Weg zu unterbinden und dafür zu sorgen, dass der gesellschaftliche Konsens des ”Nie wieder Faschismus” praktisch umgesetzt wird.

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Wir bitten die Hygieneregeln eigenverantwortlich und solidarisch einzuhalten.

Unterzeichner*innen (Stand 17.9.20): Anwohner*inneninitiative für Zivilcourage gegen Rechts; Aufstehen gegen Rassismus Berlin; Berliner Bündnis gegen Rechts; DIE LINKE.SDS Berlin; Hufeisern gegen Rechts; Jusos Berlin; LAG Antifaschismus Berlin; Omas gegen Rechts; SPD Berlin;Spandauer Bündnis gegen Rechts

Laufend aktualisierte Infos:
https://berlin-gegen-nazis.de/proteste-gegen-einen-neonazi-aufmarsch-in-berlin
Twitter: @BerlingegenNazi

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1. Januar 2014  

Pflege der Infosäule

Die Pflege der Litfaßsäule vor der Hufeisentreppe, die im Rahmen des berlinweiten Projekts „Zerstörte Vielfalt” errichtet wurde, hat die Anwohnerinitiative Hufeisern gegen Rechts als Möglichkeit zur Erinnerung und zur Kommunikation übernommen und werden sie in den nächsten Jahren gestalten.

Die offizielle Übernahme erfolgte am 1. Januar 2014.

Foto der Infosäule aus dem Jahr 2015 Die Säule befindet sich direkt vor der Hufeisentreppe in der

Fritz-Reuter-Allee 46,
12359 Berlin.


Im Folgenden kann die Historie aller bisherigen Plakate der Infosäule angeschaut werden:

8. Mai 2020 - 75 Jahre Kriegsende Plakat
Solidaritätsplakat VVN Antifaschissmus ist geminnützig
DGB-Plakat zum 1. Mai 2020 am Hufeisen (360 Grad Ansicht)
Erinnerung an die Schändung der Stolpersteine in der Hufeisensiedlung
Ausstellung über Margarete Kubicka
Entstehung der Initiative Hufeisern gegen Rechts
Vorderseite des Plakats der Kubicki Austellung
Rückseite des Plakats der Kubicki Austellung
Die Siedlung in Nachkriegszeit und Gegenwart
Die Großsiedlung Britz in der NS-Zeit
Die Entstehung der Großsiedlung Britz in der Weimarer Republik
Gertrud Seele wohnte von 1932-1945 mit ihrer Familie in der Parchimer Allee 75

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